Judo-Fokus des Monats


Liebe Judoka,
liebe Trainerinnen und Trainer,


einige von euch erinnern sich vielleicht noch an die frühere Technik des Monats. Dieses Grundkonzept haben wir wieder aufgegriffen und bewusst weiterentwickelt. Statt einer einzelnen Technik rückt nun eine übergeordnete Aufgabe bzw. ein Schwerpunkt in den Mittelpunkt – zum Beispiel Werfen zur Hauptseite.
Jeden Monat steht damit ein bestimmter Fokus im Vordergrund, der euch Anregungen für die Trainingsgestaltung geben soll. Uns ist dabei wichtig zu betonen: Es geht nicht darum, Inhalte vorzuschreiben. Vielmehr möchten wir einen gemeinsamen Rahmen schaffen, innerhalb dessen jede Trainerin und jeder Trainer weiterhin frei entscheiden kann, welche Techniken passend zur eigenen Gruppe vermittelt und gewichtet werden. Ein weiterer Vorteil dieses gemeinsamen Fokus ist, dass wir an unseren Wochenendlehrgängen gezielter und abgestimmter arbeiten können. Der jeweilige Monatsschwerpunkt wird dort aufgegriffen, vertieft und bietet gleichzeitig eine gute Grundlage für den Austausch unter Trainerinnen und Trainern.


Der Judofokus des Monats ist zunächst als offenes Pilotprojekt gedacht. Wir freuen unssehr über Rückmeldungen, Ideen und Anregungen, damit wir dieses Konzept gemeinsam weiterentwickeln können.


Wir hoffen, dass ihr Freude daran habt und es euch in eurer täglichen Trainingsarbeit unterstützt.
Sportliche Grüße


Simon Obertreis & Melina Dörbandt


Fabruar

Im Februar rückt das Werfen zur Gegenseite in den Mittelpunkt. Aufbauend auf dem Schwerpunkt des Vormonats geht es darum, aus dem gleichen Griff wie zur Hauptseite zu starten und daraus zur Gegenseite einzudrehen und zu werfen. Im Fokus stehen Techniken, bei denen dieser Wechsel gut umgesetzt werden kann, zum Beispiel Seoi-nage, Koshi-guruma oder Sode-tsuri-komi-goshi. Beim Werfen zur Gegenseite ist besonders zu beachten, dass der Zugarm am Revers und nicht am Ärmel
arbeitet.

Um zu verhindern, dass Uke einem „in den Rücken fällt“, sollte hier die Aufmerksamkeit besonders auf ein aktives und deutliches Aufziehen gelegt werden. Methodisch kann – ähnlich wie beim Werfen zur Hauptseite – zunächst mit dem Kodokan- Eingang gearbeitet werden. Im weiteren Verlauf bietet es sich an, zusätzlich den Kawaishi-Eingang zu schulen und zu vergleichen (3 vs. 2 Schritte), um den Judoka verschiedene Lösungswege anzubieten. Auch in diesem Monat kann mit allen Bewegungsrichtungen experimentiert werden (vorwärts, rückwärts, seitlich in die eigene Bewegungsrichtung eindrehen oder seitlich
gegen die Bewegungsrichtung eindrehen).

 

Ebenso eignet sich der Schwerpunkt für das Üben gegen Ai-yotsu und Kenka-yotsu. Sobald das Werfen zur Gegenseite sicherer wird, kann gerne auch die Technik zur Hauptseite wieder mit eingebaut werden. Beide Seiten können dann im Wechsel eingedreht werden, mit dem Ziel, die Judoka dafür zu sensibilisieren, je nach Bewegung des Partners zur Haupt- oder zur Gegenseite einzudrehen. Der Schwerpunkt lässt sich auch gut in Randori-Formen umsetzen: Erlaubt ist das Eindrehen zur Haupt- und Gegenseite, bewusst ohne Fußtechniken oder Kombinationen. So werden die Judoka gefordert, kreative Lösungen zu finden und ihr Gefühl für Bewegung, Timing und Entscheidung zu schulen. Auch dieser Monatsschwerpunkt versteht sich als gemeinsame Orientierung und kann je nach Leistungsstand und Trainingsziel angepasst werden.


Januar


Im Januar steht das Werfen zur Hauptseite im Mittelpunkt. Ziel dieses Monatsschwerpunkts ist es, Würfe zu festigen, die direkt aus dem bevorzugten Griff des Judoka möglich sind – also ohne vorheriges Umgreifen. Im Vordergrund stehen dabei Techniken, die aus dem eigenen Standardgriff (z. B. Ärmel-
Revers oder Ärmel-Nacken) unmittelbar geworfen werden können. Geeignete Beispiele sind unter anderem Morote-Seoi-nage, Uchi-mata oder Tai-otoshi.
Techniken, bei denen ein Umgreifen notwendig ist (z. B. O-goshi), können gerne ergänzend eingebaut werden, sollten in diesem Monat jedoch nicht den Schwerpunkt bilden. Langfristiges Ziel ist, dass jede Judoka und jeder Judoka eine verlässliche Haupttechnik zur Hauptseite aus dem eigenen Griff entwickelt.
Methodisch bietet es sich an, zunächst die saubere Wurfausführung aus dem Stand zu erarbeiten und anschließend schrittweise in die Bewegung überzugehen. Als Ausgangspunkt kann dabei die rückwärtsgerichtete Bewegung zur Zughand dienen. Darüber hinaus ist ausdrücklich erwünscht, auch mit anderen Bewegungsrichtungen zu experimentieren – etwa vorwärts, rückwärts, seitlich in die eigene Bewegungsrichtung eindrehen oder seitlich gegen die Bewegungsrichtung eindrehen –, um ein besseres Gefühl für Timing, Abstand und Wurfgelegenheiten zu entwickeln.

Zu Beginn kann bevorzugt gegen Ai-yotsu (gleiche Auslage) gearbeitet werden, im weiteren Verlauf auch gegen Kenka-yotsu (gegengleiche Auslage). Die richtige Positionierung zum Partner soll in diesem Monat bewusst allein aus Toris Bewegung entstehen. Vorbereitende Fußtechniken und Kombinationen greifen wir in den kommenden Monaten gezielt auf.
Dieser Fokus versteht sich als Orientierung und Einladung zur gemeinsamen Arbeit – angepasst an Leistungsstand, Altersklasse und Trainingsschwerpunkte eurer Gruppen.