Judo-Fokus des Monats


Liebe Judoka,
liebe Trainerinnen und Trainer,


einige von euch erinnern sich vielleicht noch an die frühere Technik des Monats. Dieses Grundkonzept haben wir wieder aufgegriffen und bewusst weiterentwickelt. Statt einer einzelnen Technik rückt nun eine übergeordnete Aufgabe bzw. ein Schwerpunkt in den Mittelpunkt – zum Beispiel Werfen zur Hauptseite.
Jeden Monat steht damit ein bestimmter Fokus im Vordergrund, der euch Anregungen für die Trainingsgestaltung geben soll. Uns ist dabei wichtig zu betonen: Es geht nicht darum, Inhalte vorzuschreiben. Vielmehr möchten wir einen gemeinsamen Rahmen schaffen, innerhalb dessen jede Trainerin und jeder Trainer weiterhin frei entscheiden kann, welche Techniken passend zur eigenen Gruppe vermittelt und gewichtet werden. Ein weiterer Vorteil dieses gemeinsamen Fokus ist, dass wir an unseren Wochenendlehrgängen gezielter und abgestimmter arbeiten können. Der jeweilige Monatsschwerpunkt wird dort aufgegriffen, vertieft und bietet gleichzeitig eine gute Grundlage für den Austausch unter Trainerinnen und Trainern.


Der Judofokus des Monats ist zunächst als offenes Pilotprojekt gedacht. Wir freuen unssehr über Rückmeldungen, Ideen und Anregungen, damit wir dieses Konzept gemeinsam weiterentwickeln können.


Wir hoffen, dass ihr Freude daran habt und es euch in eurer täglichen Trainingsarbeit unterstützt.
Sportliche Grüße


Simon Obertreis & Melina Dörbandt

Juni

Im Juni wird die gesamte Angriffssequenz zur Hauptseite erarbeitet: vom Griff über die vorbereitende Fußtechnik bis zum Eindrehen und Werfen. Damit fließen die Inhalte der vergangenen Monate erstmals in einen vollständigen Handlungsablauf zusammen. Der Einstieg in die Sequenz ist die Grifferöffnung (Kumi-kata). Bevor ein Angriff möglich wird, muss zunächst der eigene Griff durchgesetzt werden. Dazu gehört sowohl das Lösen eines ungünstigen Griffs des Partners als auch das Etablieren der eigenen Griffposition. 

Bei Ai-yotsu sollte das erste Ziel sein, sich den Zugarm zu sichern. Bei Kenka-yotsu geht es dagegen darum, die Innenbahn am Revers zu erobern – also mit dem eigenen Arm innen durchzukommen, sodass der Arm des Partners nach außen verdrängt wird. Die Judoka sollen verstehen, dass die Griffarbeit kein isolierter Vorgang ist, sondern der erste Schritt des Angriffs.

Aus dem etablierten Griff folgt die vorbereitende Fußtechnik, die – wie im April geübt – eine Reaktion beim Partner auslöst. Diese Reaktion wird unmittelbar für das Eindrehen zur Hauptseite genutzt. Die drei Phasen – Griff, Fuß, Wurf – sollen dabei möglichst fließend ineinander übergehen und nicht als getrennte Einzelaktionen ausgeführt werden. Methodisch bietet es sich an, die Sequenz zunächst in Einzelschritten zu erarbeiten und dann schrittweise zusammenzuführen. 

Im fortgeschrittenen Bereich können die Judoka ermutigt werden, den gesamten Ablauf aus der Bewegung und im Randori anzuwenden. Für die Griffarbeit empfiehlt es sich, mit zwei bis drei grundlegenden Grifflösungen zu arbeiten, die zur eigenen Hauptseite passen, anstatt zu viele Varianten gleichzeitig einzuführen. Es wird gegen Ai-yotsu und Kenka-yotsu gearbeitet – gerade bei der Griffarbeit ergeben sich hier deutlich unterschiedliche Anforderungen, die bewusst thematisiert werden sollten. Dieser Monatsschwerpunkt versteht sich als Einladung, den vollständigen Angriffsweg zur Hauptseite als zusammenhängende Einheit zu begreifen und zu

Mai

Judofokus Mai – Fußtechniken zur Vorbereitung der Gegenseite Im Mai wird das Prinzip des Vormonats auf die Gegenseite übertragen: Fußtechniken dienen nun als gezielte Vorbereitung für das Eindrehen zur Gegenseite. Wie im April gilt: Die Fußtechnik muss mit voller Wurfabsicht angesetzt werden – kein halbherziges Antäuschen. Nur eine ernsthaft geworfene Fußtechnik erzeugt eine echte Reaktion, die für den Folgewurf genutzt werden kann. Angegriffen wird wieder das vordere Bein des Partners, also das Bein, das beim Eindrehen zur Gegenseite im Weg steht. Bei Ai-yotsu bieten sich Techniken wie Ko-uchi-gari oder O-soto-gari an, bei Kenka-yotsu eignet sich O-uchi-gari besonders gut. Wie bereits im Februar erarbeitet, erfolgt das Eindrehen zur Gegenseite aus dem gleichen Griff wie zur Hauptseite. Auch hier gilt: Der Zugarm arbeitet am Revers, und ein aktives Aufziehen bleibt entscheidend, damit Uke nicht in den Rücken fällt. Methodisch wird zunächst mit festgelegten Kombinationen gearbeitet: eine bestimmte Fußtechnik gefolgt vom Eindrehen zur Gegenseite. Reagiert Uke nicht nach vorne, sondern weiter nach hinten, wird – wie im April – mit einer weiteren Fußtechnik nachgesetzt. Auch hier legen die Judoka ihre Techniken vorher fest und entscheiden situativ nur über die Richtung. Im weiteren Monatsverlauf können dann beide Eindrehseiten hinzugenommen werden. Nach der Fußtechnik ergeben sich nun drei Möglichkeiten: Eindrehen zur Hauptseite, Eindrehen zur Gegenseite oder eine weitere Fußtechnik nach hinten. Die Entscheidung hängt davon ab, wie Uke reagiert. Die Judoka sollen dabei lernen, die Reaktion des Partners zu lesen und die passende Antwort aus ihrem festgelegten Technik-Repertoire zu wählen. Wie in den Vormonaten wird sowohl gegen Ai-yotsu als auch gegen Kenka-yotsu gearbeitet. Auch verschiedene Bewegungsrichtungen können und sollen einbezogen werden. Dieser Schwerpunkt baut gezielt auf den bisherigen Monaten auf und kann je nach Leistungsstand und Trainingsziel angepasst werden.

April

Im April werden die Schwerpunkte der vergangenen Monate erstmals zusammengeführt: Die Fußtechniken aus dem März dienen nun gezielt als Vorbereitung für Würfe zur Hauptseite.Ziel ist es, das Prinzip Aktion – Reaktion zu verinnerlichen. Eine Fußtechnik erzeugt beim Partner eine Bewegung oder Gewichtsverlagerung, die anschließend für das Eindrehen zurHauptseite genutzt wird. Entscheidend ist dabei: Die Fußtechnik muss mit voller Wurfabsicht angesetzt werden. Ein halbherziges Antäuschen erzeugt keine echte Reaktion beim Partner und ist nicht auf den Wettkampf übertragbar. Nur wenn Uke tatsächlich gezwungen wird zu reagieren, entsteht die Gelegenheit für den Folgewurf.

Grundsätzlich soll mit der Fußtechnik immer das vordere Bein des Partners angegriffen werden – also das Bein, das beim Eindrehen im Weg steht. Bei Ai-yotsu bieten sich daher Techniken wie Ko-uchi-gari oder O-soto-gari an, bei Kenka-yotsu eignet sich O-uchi-gari besonders gut.
Reagiert Uke auf die Fußtechnik nach vorne, wird mit der Haupttechnik (Eindrehen) nachgesetzt. Methodisch bietet es sich an, zunächst mit festgelegten Kombinationen zu arbeiten: eine bestimmte Fußtechnik gefolgt von einer bestimmten Eindrehtechnik. Im weiteren Verlauf kann dann damit gespielt werden, wie Uke auf die Fußtechnik reagiert. Reagiert Uke nicht nach vorne, sondern weiter nach hinten, wird nicht eingedreht, sondern mit einer weiteren Fußtechnik nachgesetzt – zum Beispiel: Ko-uchi-gari greift das eine Bein an, Uke weicht nach hinten aus, daraufhin folgt O-uchi-gari auf das andere Bein.
Wichtig ist, dass die Judoka ihre Techniken vorher festlegen und im Ablauf nicht frei variieren. Die Entscheidung liegt nicht darin, welche Technik gewählt wird, sondern in welche Richtung der Partner reagiert – und damit, welche der eigenen festgelegten Techniken als nächstes passt: Eindrehen nach vorne oder Fußtechnik nach hinten.


Wie in den Vormonaten wird sowohl gegen Ai-yotsu als auch gegen Kenka-yotsu gearbeitet. Auch verschiedene Bewegungsrichtungen können und sollen einbezogen werden. Dieser Monatsschwerpunkt versteht sich als Einladung, das Zusammenspiel von Fußtechnik und Wurf bewusst zu erleben und zu verfeinern – angepasst an Leistungsstand und Trainingsziel der jeweiligen Gruppe.

März

Fußtechniken Im März liegt der Schwerpunkt auf den Fußtechniken.

Ziel dieses Monatsschwerpunkts ist es, ein breites Verständnis für die verschiedenen Wurfprinzipien mit den Füßen zu entwickeln und gezielt zu schulen. Im Fokus stehen dabei alle grundlegenden Prinzipien der Fußwürfe: Gari, Gake und Barai. Unabhängig von der konkreten Technik soll vor allem das Gespür für Timing sowie das aktive Führen des Partners mit den Armen im Vordergrund stehen. Die AthletInnen müssen verstehen, dass Fußwürfe zu einem großen Teil durch die Steuerung über Zug- und Druckbewegungen der Arme entstehen. Der Fuß setzt den Impuls, die Arme entscheiden über Erfolg oder Misserfolg.

Methodisch bietet es sich an, Fußtechniken aus allen Bewegungsrichtungen zu erarbeiten, um die Judoka vielseitig zu fordern. Variationen, bei denen bewusst auf visuelle Reize verzichtet wird (z. B. kurze Sequenzen mit geschlossenen Augen), können dabei helfen, das Körpergefühl, das Timing und die Partnerwahrnehmung weiter zu schärfen. Auch dieser Schwerpunkt eignet sich sowohl für das Arbeiten gegen Ai-yotsu als auch gegen Kenka-yotsu, um die Anpassungsfähigkeit der Judoka zu fördern. Auf das Kombinieren mit eigenen Eindrehtechniken wird in diesem Monat bewusst verzichtet, da dieser Aspekt im kommenden Monat gezielt aufgegriffen wird.

Der Fokus soll im März klar und konsequent auf den reinen Fußtechnikenliegen. Dieser Monatsschwerpunkt versteht sich als Einladung, Fußwürfe bewusst zu erleben, zu variieren und zu verfeinern – angepasst an Leistungsstand und Trainingsziel der jeweiligen Gruppe.


Februar

Im Februar rückt das Werfen zur Gegenseite in den Mittelpunkt. Aufbauend auf dem Schwerpunkt des Vormonats geht es darum, aus dem gleichen Griff wie zur Hauptseite zu starten und daraus zur Gegenseite einzudrehen und zu werfen. Im Fokus stehen Techniken, bei denen dieser Wechsel gut umgesetzt werden kann, zum Beispiel Seoi-nage, Koshi-guruma oder Sode-tsuri-komi-goshi. Beim Werfen zur Gegenseite ist besonders zu beachten, dass der Zugarm am Revers und nicht am Ärmel
arbeitet.

Um zu verhindern, dass Uke einem „in den Rücken fällt“, sollte hier die Aufmerksamkeit besonders auf ein aktives und deutliches Aufziehen gelegt werden. Methodisch kann – ähnlich wie beim Werfen zur Hauptseite – zunächst mit dem Kodokan- Eingang gearbeitet werden. Im weiteren Verlauf bietet es sich an, zusätzlich den Kawaishi-Eingang zu schulen und zu vergleichen (3 vs. 2 Schritte), um den Judoka verschiedene Lösungswege anzubieten. Auch in diesem Monat kann mit allen Bewegungsrichtungen experimentiert werden (vorwärts, rückwärts, seitlich in die eigene Bewegungsrichtung eindrehen oder seitlich
gegen die Bewegungsrichtung eindrehen).

 

Ebenso eignet sich der Schwerpunkt für das Üben gegen Ai-yotsu und Kenka-yotsu. Sobald das Werfen zur Gegenseite sicherer wird, kann gerne auch die Technik zur Hauptseite wieder mit eingebaut werden. Beide Seiten können dann im Wechsel eingedreht werden, mit dem Ziel, die Judoka dafür zu sensibilisieren, je nach Bewegung des Partners zur Haupt- oder zur Gegenseite einzudrehen. Der Schwerpunkt lässt sich auch gut in Randori-Formen umsetzen: Erlaubt ist das Eindrehen zur Haupt- und Gegenseite, bewusst ohne Fußtechniken oder Kombinationen. So werden die Judoka gefordert, kreative Lösungen zu finden und ihr Gefühl für Bewegung, Timing und Entscheidung zu schulen. Auch dieser Monatsschwerpunkt versteht sich als gemeinsame Orientierung und kann je nach Leistungsstand und Trainingsziel angepasst werden.


Januar


Im Januar steht das Werfen zur Hauptseite im Mittelpunkt. Ziel dieses Monatsschwerpunkts ist es, Würfe zu festigen, die direkt aus dem bevorzugten Griff des Judoka möglich sind – also ohne vorheriges Umgreifen. Im Vordergrund stehen dabei Techniken, die aus dem eigenen Standardgriff (z. B. Ärmel-
Revers oder Ärmel-Nacken) unmittelbar geworfen werden können. Geeignete Beispiele sind unter anderem Morote-Seoi-nage, Uchi-mata oder Tai-otoshi.
Techniken, bei denen ein Umgreifen notwendig ist (z. B. O-goshi), können gerne ergänzend eingebaut werden, sollten in diesem Monat jedoch nicht den Schwerpunkt bilden. Langfristiges Ziel ist, dass jede Judoka und jeder Judoka eine verlässliche Haupttechnik zur Hauptseite aus dem eigenen Griff entwickelt.
Methodisch bietet es sich an, zunächst die saubere Wurfausführung aus dem Stand zu erarbeiten und anschließend schrittweise in die Bewegung überzugehen. Als Ausgangspunkt kann dabei die rückwärtsgerichtete Bewegung zur Zughand dienen. Darüber hinaus ist ausdrücklich erwünscht, auch mit anderen Bewegungsrichtungen zu experimentieren – etwa vorwärts, rückwärts, seitlich in die eigene Bewegungsrichtung eindrehen oder seitlich gegen die Bewegungsrichtung eindrehen –, um ein besseres Gefühl für Timing, Abstand und Wurfgelegenheiten zu entwickeln.

Zu Beginn kann bevorzugt gegen Ai-yotsu (gleiche Auslage) gearbeitet werden, im weiteren Verlauf auch gegen Kenka-yotsu (gegengleiche Auslage). Die richtige Positionierung zum Partner soll in diesem Monat bewusst allein aus Toris Bewegung entstehen. Vorbereitende Fußtechniken und Kombinationen greifen wir in den kommenden Monaten gezielt auf.
Dieser Fokus versteht sich als Orientierung und Einladung zur gemeinsamen Arbeit – angepasst an Leistungsstand, Altersklasse und Trainingsschwerpunkte eurer Gruppen.